Das Lächeln ist in erster Linie Kommunikation. Ein Signal von Sicherheit, von Verbindung. Es gibt jedoch Formen dieser Gesichtschoreografie, die nicht freiwillig entstehen. Sie dienen der Selbstregulation – für den Komfort anderer. Ein falsches Lächeln ist weniger Ausdruck als vielmehr ein Akt sozialer Instandhaltung: Es zeigt dem Gegenüber, dass der soziale Vertrag noch gilt, dass das System, das uns miteinander verbindet, weiterhin funktioniert.
Jemandem flüchtig lächelnd zu begegnen, den man kennt, gleicht dem Auffinden einer Prüfsumme. Diese Begegnungen tragen keine erzählerische Entwicklung in sich, wohl aber eine verbleibende soziale Ladung. Ungesagte Worte, ein gemeinsam erkanntes Unbehagen, das in der Luft hängt. Ein Gespenst der Begrüßung. Aufgrund der positiven Konnotationen des Lächelns gerät leicht in Vergessenheit, wie gewaltsam dieser Akt sein kann, wenn man ihn lieber vermeiden würde. Konventionen verwandeln ihn dann in eine Form erzwungener Unterwerfung – währenddessen wird ein neutraler Ausdruck zum Privileg.
Und obwohl dieses kalibrierte Grimassieren zu nichts verpflichtet, bleibt es ein Rückfallzustand: eine Haltung, die eingenommen wird, wenn keine andere Handlung angemessen erscheint. Selbst dann, wenn echte Verbindung fehlt.
Die Arbeit stellt die Frage, ob das bewusste Hervorrufen eines erzwungenen Lächelns zwangsläufig ein Zwang sein muss und was geschehen müsste, damit diese Abfolge von Muskelbewegungen zu einem geteilten Moment werden kann.